PROJEKTBERICHT März 2008


ER lässt deinen Fuß nicht wanken;
ER, der dich behütet schläft nicht.
Der Herr ist dein Hüter,
der Herr gibt dir Schatten;
ER steht dir zur Seite.
Psalmen 121,3 und 5


Liebe Freunde und Unterstützer der Aktion Lichtblicke,
wir senden Ihnen viele, herzliche Grüße aus Ashaiman – von den Kindern, von Bonney, Evans und den anderen Mitarbeitern und natürlich von uns Volontären. Seit Sie das letzte Mal von uns gehört haben ist wieder einiges passiert und wir möchten die Gelegenheit ergreifen Ihnen davon zu berichten und Ihnen für Ihre Hilfe zu danken.

Auch wenn wir es kaum glauben können, sind wir nun schon sechs Monate im Lande. Für uns heißt es Halbzeit- die Möglichkeit zurückzuschauen und das Kommende zu erwarten. Wie in unserem letzten Bericht zu lesen war, konnten im letzten Jahr einige Kinder neu auf die Schule gehen. Für sie war es ein besonderes Jahr, das erste, in dem sie stolz ihre Schuluniform tragen durften, das erste Zeugnis bekamen, die ersten Ferien hatten und das erste Mal Weihnachten als Schüler feiern durften…..

Zuvor mussten die Kinder aber erst noch eine Hürde, die Prüfungen zum Halbjahresende, nehmen. Das hieß viel lernen und wiederholen, was zum Teil gar nicht so einfach war, da die verschiedenen Schulen unterschiedliche Ferienanfänge haben und somit einige schon fertig waren, während andere gerade erst anfingen. Auch mit unseren Klassen im First Contact Place haben wir Arbeiten über das letzte Halbjahr geschrieben, sodass auch für die houseboys ein Gefühl für Prüfung aufkam. Mit einer Messe und anschließendem Essen und Tanzen wurde dann am Freitag vor Weihnachten das Halbjahr beendet. Bis auf Rejoice, unser ältestes Mädchen, welche gerade ihre Schneiderlehre abschliesst, verliessen alle Mädchen das Haus um zu Eltern oder Verwandten zu gehen und so verbrachten wir viel Zeit im First Contact Place. Auch hier waren einige Jungen für die Ferien nach Hause gegangen, dafür aber waren viele Ältere, die außerhalb Ashaimans weiterführende Schulen besuchen, gekommen und so hatten wir die Gelegenheit diese kennen zu lernen und auch mehr mit den Schoolboys zusammen sein, die wir normalerweise nur zwei bis dreimal die Woche einen Nachmittag lang sehen. Spielen, Reden, Musik hören und Herumalbern ließen es nicht langweilig werden und die freie Zeit ohne Lernen haben wir richtig genossen.
Heiligabend verbrachten wir, wie auch die darauffolgenden Tage, weitgehend in der Kirche. Um 20.00Uhr, wir Deutschen waren natürlich im Gegensatz zum Durschschnittskirchenbesucher auch noch pünktlich da..., begann die Feier mit Gesang. Zunächst klang das noch ziemlich dürftig, da auch die (vier!) Kirchenchöre noch nicht vollständig waren, doch je später der Abend umso schöner wurde es mit Trommeln und Tanz. Zwei Stunden später ging dann der Festgottesdienst los, inzwischen war die Kirche auch gut gefüllt. Einige der Mädchen waren von ihren weit über Ashaiman verstreuten Heimen gekommen um hier zusammen Gottesdienst zu feiern und natürlich die Jungen, die sich allerdings auf zwei verschiedene Kirchen aufteilen.
Eigene Weihnachtsbräuche gibt es hier kaum, Weihnachten wurde von den Missionaren eingeführt und die direkte Übersetzung des Wortes "ouronya" für Weihnachten heißt dann auch "der weiße Mann hat etwas zu feiern".
Auch am ersten und zweiten Feiertag besuchten wir die Kirche. Am Nachmittag des 25.12. waren wir Volontäre bei Bonney und seiner Frau eingeladen und verbrachten einige gemütliche und lustige Stunden. In alten Fotoalben konnten wir die Anfänge des Projekts nachvollziehen, den anfänglichen Unterricht in einer kleinen Hütte, den Bau des First Contact Places und das weitere Wachsen und Gedeihen des Projektes. Und es gab so manches Gelächter bei Bildern von "coolen" bigboys im zarten Alter von 10 Jahren und weniger...
Zu Sylvester wollten wir es besser machen und kamen nicht pünktlich um 20.00Uhr sondern etwas später, diesmal zu unserem Nachteil. Die Kirche war schon voll und wir fanden zusammen mit den Jungs nur noch auf den Bänken außerhalb Platz. Der Gottesdienst war trotzdem toll, es wurde gefeiert und getanzt. Die Kollekte wird nicht einfach eingesammelt, sondern nach vorne gebracht, das dauert dann schonmal eine halbe Stunde, dafür singt aber auch ein extra Kirchenchor und man geht nicht einfach vor, sondern singt mit und tanzt! Um 24.00Uhr wurde auch gesungen und man wünschte sich gegenseitig ein wunderschönes neues Jahr, danach ging die Messe dann weiter...

Mitte Januar begann die Schule wieder. Bei den Unterrichtsstunden im First Contact Place hat sich alles eher langsam wieder eingependelt, auch wenn einige Jungen anfangs noch nicht wieder von den Ferien zurück waren und nach und nach von ihren Familien, aber auch oft vom Markt, von der Trotrostation und den Aluminiumsammelstellen eingesammelt werden mussten. Das Problem dabei ist, dass die Jungen auf der Strasse frei sind, tun und lassen können, was sie möchten und keinerlei Regeln befolgen müssen. Das regelmäßige Essen im First Contact Place und die Waschgelegenheiten sind in sofern nicht so attraktiv, als dass es „auf der Straße“ genügend Arbeit gibt und keiner Hunger leiden muss, sondern eher mehr Fleisch und Fisch essen kann, als im First Contact Place. So muss die Motivation da sein, etwas zu lernen und der Weitblick für die Zukunft muss vorhanden sein....

Genau so, wie wir uns im letzten Jahr über die neuen Schüler gefreut haben, freuen wir uns nun mitteilen zu können, dass einige der Älteren, sogenannte „Bigboys/girls“ die Schule beendet haben. Für sie liegt der erste Schultag schon lange zurück- ihr Blick richtet sich in die Zukunft. Das Beenden der Schule soll kein Abschluss, sondern vielmehr Übergang in ein Studium oder eine Ausbildung sein. Ebenso wollen sich die Absolventen nicht auf den Lorbeeren des Erreichten ausruhen, sondern sich weiter bilden, um langfristig für sich eine Lebensgrundlage zu erlangen. Sie haben den Willen sich weiter zu fordern und das „sich fordern“ braucht auch immer ein Fördern.

Hier in Ghana ist es leider nicht möglich im Anschluss an das Abitur sofort mit dem Studium zu beginnen. Die im ganzen anglophonen Westafrika zentralen Prüfungen finden im Frühsommer statt, während die Ergebnisse erst im Spätjahr feststehen, sodass sich der Absolvent dann für das Wintersemester des darauf folgenden Jahres bewerben kann. Zwei der zukünftigen Studenten möchten wir hier nun zu Wort kommen lassen:

Justice
„Ich bin 20Jahre alt und werde seit 4 Jahren von der Aktion Lichtblicke unterstützt. Zur Grundschule (Primary) war ich gegangen, dann fehlte aber das Geld um die weiterführende Schule (JSS ~Realschule) zu besuchen. Deshalb arbeitete ich tagsüber und besuchte abends Unterrichtsstunden, die vom Projekt dort, wo ich wohnte, angeboten wurde. So wurden mir dann die Schulgebühren bezahlt und ich konnte, während ich aber weiterhin bei meiner Mutter wohnte,in die Schule gehen. Dann gab es Probleme und wir mussten umziehen, da es mir nicht weiter möglich gewesen wäre die Schule zu besuchen wohnte ich fortan im First Contact Place. Abends half ich bei den Unterrichtsstunden, durch die ich selbst ins Projekt gekommen war. Nach meinem Realschulabschluss durfte ich in einer guten Internatsschule weiterlernen und wohnte nur noch während der Ferien im First Contact Place. Nach drei Jahren schrieb ich 2007 die Abschlussprüfungen und zog zu meiner Mutter und meiner Schwester. Da ich etwa ein halbes Jahr auf meine Prüfungsergebnisse warten musste fing ich an in einer T-Shirtfabrik zu arbeiten. Nach zwei Monaten allerdings wurde meine Mutter schwer krank und ging in unser Heimatdorf zurück. Als meine Mutter starb, gab ich die Arbeit auf.
Nun wohne ich mit meiner Schwester zusammen und unterrichte morgens eine Englischklasse im First Contact Place. Als ich nun Anfang dieses Jahres endlich meine Zeugnisse erhielt habe ich mich mit der Hilfe von Brother Bonney und Brother Evans an der Universität beworben. Da ich in der Schule schon meinen Schwerpunkt auf die Naturwissenschaften gesetzt hatte, möchte ich nun Medizin studieren und hoffe an einer der beiden Universitäten, bei denen ich mich beworben habe, angenommen zu werden.“

Assibi
„Auch ich bin 20Jahre alt und habe letztes Jahr meine Abschlussprüfungen geschrieben. Als 2002 mein Vater starb hatte ich bereits das erste Schuljahr der SSS (entspricht in etwa der Oberstufe des Gymnasiums) besucht und musste dann aufgrund von Geldmangel abbrechen. Ich arbeitete in einem Kommunikationszentrum bis ich auf das Projekt stieß, welches mir ab 2005 ermöglichte meine Ausbildung zu beenden. Mein Traum ist Rechtsanwältin zu werden und habe mich nun auch für den ersten Teil des zweigliedrigen 9jährigen Studiengang beworben. Allerdings ist es schwer einen Studienplatz hierfür zu erhalten, sodass ich mir eine anderen Option offen halten möchte und mich ebenfalls für eine Ausbildung zur Krankenschwester bewerben.“

Zum ersten Mal waren Pater Lienhard und Pater Heisterkamp nicht, wie sonst üblich, an Weihnachten sondern vom 2. bis 8. Februar zu Besuch in Ghana. Treffen mit den Mitarbeitern und Kindern, sowie Besprechungen mit den Salesianern Don Boscos füllten die kurze Zeit. Viele Probleme wurden angesprochen, Lösungen gesucht und Steine in die richtige Richtung ins Rollen gebracht. In diesen Tagen hatten gerade eben auch die künftigen Studenten die Möglichkeit mit den Patres persönlich über ihre Zukunftspläne zu sprechen, aber auch Ängste oder Sorgen zum Ausdruck zu bringen.
Für die Patres war es auch eine schöne Gelegenheit, das Wachsen des Projektes mit eigenen Augen zu bezeugen und den Kindern zu zeigen, dass sie für sie da sind. Die sechs Tage waren für alle eine Zeit, in der gemeinsam neue Kraft für die kommende Zeit und die neuen Aufgaben geschöpft werden konnte.


Wir wünschen Ihnen im Namen aller Kinder und Jugendlichen, Bonney und Evans, sowie allen Mitarbeitern frohe Ostern! Gott behüte Sie und schütze Sie auf all Ihren Wegen.

„Eine echte Gemeinschaft beginnt in den Herzen der Menschen“
(aus Afrika)
-herzlichen Dank für all Ihre Unterstützung und Ihre Gebete !

die Volontäre
Laura, Christina, Steffen und Lucas