Interview mit John Tetteh Obicyere


John Tetteh Obicyere ist Mitarbeiter in unserer Organisation "Rays of Hope Centre" - dem Projektpartner der Aktion Lichtblicke in Ghana. Er war einst selbst ein Straßenkind. Neben seiner Tätigkeit als "Streetworkerll, in welcher er behutsam Kontakt zu jungen Straßenkindern aufbaut, studiert er Soziale Arbeit in Accra, der Hauptstadt Ghanas.

Für diesen Artikel hat er sich bereit erklärt, ein paar Fragen zu beantworten, um Ihnen einen Einblick in seine eigene Geschichte, seine Begegnung mit "Aktion Lichtblicke" und seine Motivation für die täglichen Anforderungen zu ermöglichen.

F: Herr John Tetteh, können Sie uns davon erzählen, wie Sie zu "Aktion Lichtblicke" gekommen sind?

Meine Mutter starb in der Zeit, als sie mich noch stillte. Ich wuchs die ersten sechs Jahre in Ada bei einer Tante zweiten Grades meiner Mutter auf. Ihr Ehemann war Fischer, welcher mich bereits in jungen Jahren mit aufs Meer nahm. Dann plötzlich sind wir nach Ashaiman in einen Mehrfamilien-Wohnblock gezogen, in welchem auch meine Großmutter lebte allerdings ohne den Ehemann. Bild? Meine Großmutter hat Banku (ghanaisches Maisgericht) auf dem Markt verkauft und ich habe ihr geholfen. Sie musste bis Mitternacht verkaufen, während ich daneben auf dem Boden geschlafen habe. Als meine Großmutter krank wurde, hat meine Tante den Verkauf übernommen. Mein Wunsch und Betteln, in die Schule gehen zu dürfen, wurde mit "arbeite härter und verkaufe mehr, dann kommst du irgendwann in die Schule" beantwortet. Weil ich feststellen musste, dass sie sich nicht einmal um meine Kleidung kümmerte, während ihre eigenen Kinder in die Schule gingen, fing ich an, verdientes Geld auszugeben. Irgendwann wurde ich automatisch beschuldigt und verprügelt, wenn Geld im Haus gefehlt hat. Da fing ich an, von zu Hause wegzulaufen und am Markt zu schlafen. Meine Großmutter ließ zwar anfangs noch nach mir suchen, aber irgendwann, im Alter von 7 Jahren war ich dann richtig auf der Straße, in einer Clique mit großen, rauen Jungs als Anführer. Viele Drogen und kriminelle Machenschaften liefen da, aber damit wollte ich nie etwas zu tun haben. Meine Neugier trieb mich eher zu einem Ort, von dem andere berichteten, dass sie mit "Weißen" Fußballspielen gehen. Ich musste geduldig und hartnäckig sein, bis schließlich meine Not und Hilferufe erhört wurden.

F: Wie sind Sie dann zur Mitarbeit im Projekt gekommen?

Vom Moment der Begegnung mit den Mitarbeitern der "Aktion Lichtblicke" nahm mein Lebensweg eine positive Wende. Meine Leidenschaft und Ehrgeiz zu Lernen breitete sich schnell − etwa ab Klasse 3 − auf das Lehren von schulischem Wissen Kameraden gegenüber aus. Je älter ich wurde, desto häufiger und ernster wurde mein Einsatz im hausinternen Unterricht und bei der Hausaufgabenbetreuung. Nach meinem Abitur wollte ich weiter für die Organisation da sein und bot meine Hilfe an. Da das Projekt neue Kinder auf der Straße aufsuchen wollte, kam ich mehr und mehr in die Straßenarbeit und den Kontaktaufbau mit neuen Kindern auf der Straße.

F: Wieso haben Sie sich für den Beruf der Sozialen Arbeit entschieden?

Seit meiner Kindheit wollte ich den Armen und Bedürftigen helfen. Zuerst war mein Wunsch, Priester zu werden, dann Arzt. Als Kind hat man manchmal unrealistische Träume. Leider habe ich erst spät von dem Beruf der Sozialen Arbeit erfahren, weil er hier in Ghana noch recht unbekannt ist. Ich fühle mich aber berufen und hoffe einen Beruf gefunden zu haben, der für meine Talente, Fähigkeiten und Begeisterung wie geschaffen ist.

F: Beschreiben Sie uns kurz Ihre Arbeit und ihre Herausforderungen?

Bild? Viele Kinder auf der Straße sind sehr skeptisch, wenn fremde Menschen sich ihnen nähern und Angebote machen. Es bedarf viel Zeit und Geduld, ihnen zu zeigen, dass man es ernst mit ihnen meint. Über Wochen kann es sich hinziehen, bis man sie dazu bewegen kann, unser Center erstmal nur zum Spielen zu besuchen. Man findet diese Kinder Mitternachts oder in den frühen Morgenstunden an ihren Schlafplätzen. Tagsüber haben sie zunächst auch keine Zeit für dich, da sie den ganzen Tag arbeiten. Schrittweise und behutsam gehen wir gemeinsam dann weiter, Eltern oder Familienmitglieder zu kontaktieren; regelmäßiges Kommen in unser Center wird schließlich mit der nächtlichen Unterbringung belohnt.


F: Welche Motivation treibt Sie für diese Arbeit?

Es war und ist mir schon immer ein großes Bedürfnis, etwas zurückzugeben, von dem Reichtum und Segen, den ich von der Organisation bekommen habe. Den Kindern auf der Straße neue Hoffnung und Wege für die Zukunft zu öffnen, denen zu helfen, die in einer ähnlichen Situation sind wie ich damals, treibt und motiviert mich jeden Tag neu. Es ist etwa drei Jahre her, dass Gott zu mir in einem Traum gesprochen hat, in welchem ich umringt von Kindern war. Ich bin davon überzeugt, dass Er mir den Weg gezeigt hat.

F: Möchten Sie ein letztes Wort an die Leser richten?

Ohne finanzielle Unterstützung durch Spenden kann unsere Organisation nicht überleben. Vielleicht habe ich ja mit meiner eigenen Geschichte den einen oder anderen davon überzeugen können, dass dieses Projekt Licht und Hoffnung geben kann. Jedenfalls gebe ich mein Versprechen, dass ich all meine Kraft und Hingabe in meine Ausbildung lege, um diese göttliche Arbeit und den Einsatz Ihrer Spenden möglichst effektiv und professionell zu gestalten.

F: Vielen Dank.