Liebe Spenderinnen, liebe Spender

Anderen Lichtblicke zu schenken ist nicht so einfach, wie sie zu empfangen, und doch geschehen sie auch manchmal ganz ungewollt. Wie faszinierend es ist, wenn man durch die Gassen Ashaimans geht und ganze Kinderhorden in Jubel geraten, dass sie wieder den „Obroni“ gesehen haben, ist nur schwer in Worte zu fassen. Der vermeindliche Sprung ins kalte Wasser der vollkommen neuen Kultur und Menschen hier entpuppt sich als Sprung in den brodelnden Topf Afrikas. Mal von der eigentlichen Temperatur abgesehen sind es vor allem die Menschen, welche eine Wärme ausstrahlen, die wir bisher so noch nicht kennengelernt haben. Der Art von Kommunikation dieser Menschen fehlt es an Spuren „unserer“ heutigen SMS-Chat-Gesellschaft. Man schaut sich in die Augen, man lacht und weint. Und auch dass das gemeinsame Essen zelebriert werden kann, spürt man am eigenen Leibe, wenn man zu viert oder zu fünft aus einer Schüssel ist und dabei kein Besteck benutzt.


Afrikanische Kirmes

Der einfache Gang zum First-Contact-Place durch das ashaimanische Labyrinth von Straßen, Gassen und Pfaden wird zu einem unvergesslichen und unglaublich sinnesbeanspruchenden Erlebnis. Während die Ohren afrikanische Musik aus jeder Ecke, das wirrlose Hupen der Autos, das Gelächter von Ziegen, Schaafen und Hühnern und die hier und da aufschallenden Obroni-Rufe wahrnehmen, ist die Nase damit beschäftigt den Gestank der offenen Kanalisation und des draußen verbrannten Mülls zu ignorieren, damit so viel wie möglich von den Gerüchen der zahlreichen „Straßenküchen“ eingefangen werden können. Das Wort „Straßenküche“ steht in diesem Falle für eine kleine Feuerstelle, an der meist eine Frau sitzt und afrikainsches Essen zubereitet, welches dann direkt an die vorbeigehenden Passanten verkauft wird. Das nähere Eingehen auf die Auswahl dieser typisch afrikanischen Mahlzeiten würde das Ausmaß dieses Briefes sprengen, insofern bitten wir das zu entschuldigen. Und als wäre der Kopf nicht schon genug damit beschäftigt die Informationen von Nase und Ohren zu verarbeiten, sind da natürlich noch die Augen, die die tausend kleinen Puzzleteilchen zu einem großen Gesamteindruck zusammenfügen. Ganz nebenbei sollte man natürlich nicht den Verkehr außer Acht lassen, denn auf afrikanischen Straßen herrscht einzig allein die Anarchie. Es wird zum Tanz auf dem Hochseil, wenn man einerseits verblüft vor einer Afrikanerin ausweicht, die gut drei bis vier Dutzend Bananen, aufgestapelt auf einem Tablett, auf ihrem Kopf balanciert – ohne die Hände als Stabilisation zu benutzen -, und andererseits von Hinten schon der nächste Geländewagen, auf dessen hinteren Ladefläche es sich nochmal 15 Afrikaner gemütlich gemacht haben, wildhupend angebraust kommt.
Alles in allem gleicht es also mehr einem laut-buntem Kirmes treiben als der tpischen Vorstellung eines dunklen verruchten Elendviertels. Leider täuscht dieses laut-bunte Treiben auch schnell darüber hinweg, dass nicht wenige Menschen, und gerade Kinder, nicht durch das soziale Netz aufgefangen werden.

Ein kühlender Tropfen

Was das eigentliche Leben und Arbeiten mit den Kindern aus dem Projekt und solchen, die es werden könnten, angeht, so befinden wir uns nach wie vor in einer Eingewöhnungsphase, in der wir vor allem durch die Hilfe unserer ghanaischen Mitarbeiter Bonney, Evans und Teresa mit den Einzelschicksalen der Kinder und den daraus resultierenden Charaktären der Kinder vertraut gemacht werden, um somit ein solides Fundament für unsere zukünftige Arbeit zu schaffen. Gerade das teilweise störrische und auch hinterlistige Verhalten der Kinder lässt zumeist auf eine Abwehrreaktion dieser schließen, welche sie sich selbst in ihren jungen Jahren angeeignet haben, da die meisten gezwungener Maßen früh auf eigenen Beinen stehen und sich gegen ihre Umwelt im rauhen Klima der Straße behaupten mussten. Und trotzdem spürt man einen Hauch von Dankbarkeit in jedem funkelnden Blick und jedem aufblitzenden Lachen, dass die Kinder einem schenken und uns dadurch beweisen, dass wir eben nicht der Tropfen auf dem heißen Stein sind.

Spielzeug für Ashaiman

Die zuletzt durch Ihre Hilfe entstandene Spenden- und Sammelaktion, in der wir vor allem Fahrräder, Sport- und Freizeitutensilien sowie Medikamente sammelten, zeigt auch schon ihre ersten Früchte. Die Speichen rasen über die Sandpisten und die Fußbälle und –schuhe werden fleißig von den Jungs eingeschossen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten der Unterbringung sind alle Sachen ohne Schaden genommen zu haben bei uns im Volontärshaus gelagert, von wo sie aus nach weiteren Teamabstimmungen im Sinne des Projektes benützt werden ( die ersten Fotos von der Ankunft des Containers gibt es hoffentlich bald auf unserer Homepage www.Aktion-Lichtblicke.de zu sehen).

Der Boden für unseren Samen

Zuletzt bleiben uns nur noch die Worte des Dankes übrig. Man muss nicht lange hier vor Ort sein, um zu erkennen, dass einzig allein Ihre Großzügigkeit und Unterstützung die Basis für unsere Arbeit und somit für das Projekt und jeden einzelnen Lichtblick ist. Das, was in Deutschland das eher unpersönliche Ausfüllen der Geldüberweisung ist, schenkt den Kindern hier das allmorgendliche Frühstück, die Schuluniform und das Wasser zum Waschen, insofern hoffen wir Ihnen wenigstens ein paar lebendige und persönliche Zeilen geschrieben zu haben. Auch wenn die Kinder sich manchmal halt wie Kinder benehmen, so schließen sie doch jeden Abend Sie und natürlich auch Pater Lienhard und Pater Heisterkamp, die den Funken für diesen großen Lichtblick gezündet haben, in ihr Gebet ein. In vollster Dankbarkeit...


Ihre Volontäre
Alex, Florian, Thomas und Jona