Erster Volontärsbericht – Oktober 2003



Am 12. September 2003 haben die vier neuen Volontäre ihren Abschied in Deutschland genommen und sind nach Ghana geflogen:

Meine Name ist Benjamin Bitterling, ich bin am 04.09.1983 in Berlin geboren. Wie auch die anderen Volontäre habe ich im Sommer 2003 mein Abitur bestanden. Ich besuchte das Canisius-Kolleg in Berlin-Tiergarten, ein von Jesuiten geführtes Gymnasium. Im Grundschulalter begann ich mit dem Klavierspielen, lernte danach Trompete und fand durch mein Spielen in der BigBand des Canisius Kollegs meine Begeisterung für den Jazz.
Durch meine Tätigkeit als Oberministrant und Gruppenleiter in meiner Gemeinde und als Begleiter mehrerer schulinterner Fahrten bin ich mit der Jugendarbeit bereits vertraut und freue mich auf die Herausforderungen, die mir meine Arbeit hier in Ghana stellen wird.
In den Monaten meiner Vorbereitung ist es mir gelungen, eine handvoll Blechblasinstrumente als Spende für das Projekt zu erhalten. Nach ersten Kontakten mit den Kindern hier im First Contact Place verfolge ich zusammen mit Erich weiterhin mit Zuversicht die Idee, im Freizeitbereich eine Bläsergruppe aufzubauen. An dieser Stelle möchte ich noch einmal allen Spendern der Instrumente, vor allem den Posaunenchören für ihre grosszügige Unterstützung danken!

Ich, Dominik Bohnen, wurde am 1. Mai 1984 in Viersen geboren. Dort ging ich bis zur 10. Klasse zum Erasmus-von-Rotterdam Gymnasium der Stadt Viersen, verliess die Schule aber auf Grund meines Umzugs mit meinen Eltern nach Krefeld und dem Beginn meines Jahres als AFS-Austauschschüler. Mit dem American Field Service verbrachte ich das Schuljahr 2000/2001 in Williamson, NY, USA. Dieses Jahr hat mich in meiner Entwicklung wohl nachhaltig geprägt und dazu beigetragen, dass ich meine persönliche Perspektive nicht auf Deutschland beschränken möchte.
Nach meiner Rückkehr nach Krefeld, besuchte ich für die verbleibenden zwei Jahre das städtische Gymnasium am Moltkeplatz. Seit der 5. Klasse bin ich Mitglied der Katholischen Studierenden Jugend, ND, bei der ich 2000 zum Gruppenleiter ausgewählt wurde und wo ich in der Stadtgruppe Viersen 2001 zum Kanzler gewählt wurde. In den beiden letzten Jahren war ich ausserdem durch meine Aufgaben als Kanzler bei der Diözesankonferenz, die mich für das Jahr 2002/2003 zum Diözesandelegierten zur Bundeskonferenz wählte. Durch die Arbeit in der KSJ ist kontinuierlich mein Interesse an der Jugendarbeit gewachsen, was mich letztendlich zum Projekt „Aktion Lichtblicke“ führte.
Ausser meiner Tätigkeit in der KSJ, spiele ich seit 1994 Querflöte. Um Ben und Erich in ihren Bemühungen zu unterstützen eine Band aufzubauen, habe ich meine eigene und eine weitere Flöte mitgebracht.
Auch ich möchte meiner Stufe danken die einen Teil des Stufenkassenüberschusses an das Projekt gespendet hat.

Erich Nowaczinski ist mein Name und ich wurde am 25.10.1983 in Düren geboren. Mein Abitur habe ich in Overbach gemacht und daher kommt auch meine Beziehung zum Projekt Lichtblicke. In Overbach sass ich gewissermassen an der Quelle des Projektes.
Wie Ben fühle auch ich mich der Musik sehr verbunden und habe in Overbach angefangen Fagott zu lernen. Die letzten 5 Jahre spielte ich nicht nur in den Orchestern meiner Schule, sondern auch in 2 weiteren Musikgruppen. Da es aber leichtsinnig gewesen wäre, mein empfindliches Instrument mitzunehmen, habe ich mich dazu entschlossen mir eine Posaune zu kaufen und mit Benjamin zusammen den Kindern die Musik etwas näher zu bringen.
Ich freue mich darauf mit den Kindern zusammen arbeiten zu können und hoffe, dass unser Vorhaben von Erfolg gekrönt sein wird.
Ich möchte diese Gelegenheit ergreifen meiner Stufe zu danken, die einen grossen Teil unserer Gewinne (Überschüsse) durch die Abiturfeier dem Projekt gespendet haben.

Ich heisse Samuel Wolf und wurde 1985 in Friedrichshafen am Bodensee geboren. Nach dem ich bis 1994 in Paderborn die Grundschule besuchte verbrachte ich die letzten 9 Jahre in Leipzig als Sänger im Thomanerchor. Auch ich habe ein Herz für die Musik, spiele Klavier und Gitarre (die ich nach Ghana mitgebracht habe) und habe einige Erfahrung in der Chorleitung, die Kollekte meines Abschlußkonzertes im Juli ist dem Projekt zugute gekommen.
Das Gedeihen des Projekts „Aktion Lichtblicke“ habe ich bei Besuchen zu Hause in Paderborn schon seit langer Zeit verfolgt, das Jugendhaus Salesianum ist neben Haus Overbach der 2. Träger des Projektes. Im Sommer dieses Jahres habe ich in Leipzig mein Abitur gemacht und bin nun an Stelle eines Zivildienstes in Ghana. Meine Faszination für Kinder und deren Begleitung durch ein Stück ihres Lebens kommt nicht zu letzt auch aus meinen eigenen Erfahrungen im Internat. Ich habe deshalb beschlossen, den Kindern in Ghana ein Stück von der Bildung abzugeben, die ich in Deutschland geschenkt bekommen habe.
Ich möchte noch auf die Homepage des Projektes hinweisen, auf der ich auch in Zukunft aktuelle (Zwischen-)Berichte veröffentlichen will. Die Adresse lautet www.aktion-lichtblicke.de.


Erlebnisbericht

Schon vor unserem Aufbruch nach Ghana haben wir uns intensiv auf unser Jahr vorbereitet. Zu dieser Vorbereitung gehörten unter anderem ein zweiwöchiges Praktikum, für Erich und Benjamin im Salesianum Paderborn und für Samuel und Dominik im Haus Overbach, sowie mehrere Vorbereitungswochenenden.
Wir Volontäre hatten uns somit schon im Vorfeld zu einer guten Gruppe zusammengefunden, so dass wir uns bestens auf die vielen neuen Dinge in Ghana konzentrieren konnten, die uns in dieser fremden Kultur innerhalb kürzester Zeit begegneten.
Vor Ort begrüsste uns Stephan Brockes, ein ehemaliger Zivildienstleistender des Hauses Overbach, der für die Übergangszeit im Volontärshaus lebte. Er hat die alten Volontäre vor Ort erlebt und wohnte mit uns die ersten drei Wochen zusammen. In dieser Zeit hat er Dominik in die Administration eingeführt, uns gezeigt, wie man Fufu isst, ein Taxi anhält, mit der ghanaischen Mentalität (im Besonderen mit der afrikanischen Zeitvorstellung) umgehen kann oder wie man sich beim Handeln nicht übers Ohr hauen lässt.
Mittlerweile ahnen wir, wie sehr er uns doch unsere Eingewöhnungsphase hier in Ghana erleichtert hat.
Doch das war noch nicht alles, denn wir besuchten in den ersten zwei Wochen in Ghana einen „Culture Course“. Unter anderem lernten wir die Grundzüge in Twi, eine der Stammessprachen der Ghanaer. Dies ist sehr hilfreich, erleichtert es uns doch etwas die Kommunikation mit den Kindern auf der Strasse und im First Contact Place. Viele Kinder beherrschen das Englisch nicht gut genug, um sich uns in jeder Situation verständlich zu machen.
Neben dem Sprachunterricht standen Fächer wie „History and People of Ghana“, „Die Strassenkinderproblematik und Lösungsansätze“, „Ghanaische Schulpolitik“ und „Rechtssprechung in Ghana“ auf dem Stundenplan. Ausserdem lernten wir viel über Kultur und Verhaltensweisen der Ghanaer sowie über die Jugendarbeit der Salesianer hier vor Ort.
Der Culture Course wurde für uns mit einem feierlichen Gottesdienst im First Contact Place beendet. An diesem Abend wurden wir von Father Michael, dem für uns zuständigen Pater der hiesigen Salesianer Don Boscos, als neue Volontäre begrüsst. Die Kinder und Mitarbeiter des FCP hiessen uns anschliessend mit einer besonderen Prozedur willkommen: Nachdem wir eine Kette und ein Armband erhalten hatten, bekamen wir Kalk auf unsere Wangen und Waden geschmiert. Anschliessend erklärte uns Bonney, der ghanaische Leiter des Projektes, dass wir mit diesem Prozedere in die ghanaische Familie des FCP aufgenommen wurden. Das Beschmieren mit Kalk wird auch von den Ghanaern nicht unbedingt als angenehm empfunden, aber es soll symbolisieren, dass neben all den schönen Erfahrungen, die wir hier machen, auch einige Belastungen auf uns zukommen werden. Der Abend klang dann bei Trommelmusik und Tanz der Culture Group aus – er wird uns immer in Erinnerung bleiben!
Stephan hatte einige Probleme mit seinem Rückflug und auch funktioniert unser Telefon immer noch nicht. Mittlerweile waren sogar schon ein paar Techniker da. Der Fehler ist auch lokalisiert worden, aber behoben ist er deshalb noch lange nicht. Damit muss man hier in Ghana leben, Organisation scheint hier ein (deutsches) Fremdwort zu sein...
Am Anfang hat uns diese Erkenntnis ziemlich geschockt. Es gibt hier einige Bereiche, in denen man vollkommen unerwartet erstmal nichts bewegen kann und zum blossen Abwarten verdonnert ist.
Mittlerweile haben wir mit dem Unterrichten angefangen, setzen nach und nach unsere Pläne für die Nachmittagskurse um und haben auch schon einige Male im FCP übernachtet. An einem festen Wochenplan arbeiten wir derzeit noch, nach dem Besuch der Patres aus Deutschland soll er uns helfen, unsere Zeit und Kraft effektiv einzuteilen.
In den letzten Tagen haben wir damit begonnen, das Haus zu streichen. Die ghanaische Witterung, die hohe Luftfeuchtigkeit und die Regenzeiten hatten deutlich sichtbare Spuren am Volontärshaus hinterlassen, so dass es einen kompletten Anstrich nötig hatte. Bei der Gelegenheit räumten wir an einem Samstag zusammen mit den Kindern des gesamten FCP gründlich unseren Garten auf. Durch diese „Communal Labour“ Aktion wurde in kurzer Zeit viel geschafft. Die Kinder waren mit grossem Eifer dabei. Bei der Gelegenheit mussten wir auch feststellen, dass in unserer und der ghanaischen Kultur deutlich verschiedene Vorstellungen darüber herrschen, wie man einen Baum beschneidet. Jedoch ist er jetzt sauber, der Zaun und das Haus keonnen gestrichen werden.

Der Höhepunkt während des Besuches von Pater K. Lienhard und Pater Bernd war die Einweihung des Mama Magareta Haus. Damit wurde ein schon lange geplantes Vorhaben endlich realisiert: Die Mädchen des „Aktion-Lichtblicke“ Projektes haben ein angemessenens Zuhause erhalten. Bisher hatten sie zwar am Unterricht und den Aktivitäten im FCP teilgenommen, hatten aber über Nacht in einem Schuppen schlafen müssen.
Als Betreuerin wurde zum Sommer eine neue Kraft in das Team geholt: Teresa wird ebenfalls zusammen mit den Mädchen im Mama Magareta Haus einziehen und ist in erster Linie für das dortige Programm und den reibungslosen Ablauf zuständig.
Damit Sie sich ein Bild von Theresa machen können, drucken wir hier ein kleines Interview mit ihr:

Sister Theresa, du bist die neue Erzieherin im Mädchenhaus.
Wir haben einige Fragen an dich, um dich den Spendern vorzustellen.

Wie bist du zum Projekt „Aktion Lichtblicke“ gestossen?
Ich habe meine Schullaufbahn beendet und eine Ausbildung bei einem Schiffsfrachtversicherer gemacht. Ich bin immer zur Kirche gegangen und eines Tages ging ich zu Pastor Dreier und sagte ihm, dass ich Kindern den Umgang mit Computern beibringen möchte. Er sagte mir, damit müsste ich zu den Don Boscos gehen. Zwei Wochen nachdem ich meine Bewerbung abgegeben hatte, traf ich Pater Michael. Wir sprachen über meine Familie und meine Arbeit, er fragte mich, ob ich Kinder mag und ob ich genügend Geduld für sie aufbringen könnte. Schliesslich sagte er mir, ich sollte mir doch den FCP ansehen und schauen, ob ich dort arbeiten wollte. Dort sprach ich mit Bonnie, ich habe mich vorgestellt und er sagte mir, dass sie eine Frau suchten die nach den Mädchen schaut, da die Mädchen keine Erzieherin hätte. Ab darauffolgenden Montag begann ich regelmässig zu kommen.

Was war dein erster Eindruck vom Projekt?
Am ersten Tag im FCP war das Haus sehr ruhig, weil alle Kinder in der Schule waren und im Haus die Klassen stattfanden. Alle Türen waren geschlossen, also war der Ort sehr ruhig. Ich war bis 1 Uhr da, dann musste ich gehen und bei meiner Firma arbeiten, am Freitag bin ich wieder hin, an dem Tag war ich von morgens bis abends da. Einer der Volontäre unterrichtete Mathe, und ich habe hinten in der Klasse gesessen, um einen Eindruck darüber zu gewinnen, wie dort so unterrichtet wird. Ich hatte gleich den Eindruck, dass die Kinder sehr aufgeschlossene Menschen sind, bereit jeden willkommen zu heissen. Aber ich habe auch gesehen, dass die Mädchen jemanden zum Reden brauchten, eine Frau, mit der sie auch über private Dinge mit sprechen könnten.

Als du begonnen hast, wusstest du da schon, dass es bald ein Mädchen Haus geben würde, oder dachtest du, dass du im FCP arbeiten würdest? Brother Bonnie hatte mir davon erzählt, dass die Salesianer, die Volontäre und die Streetworker über eine Möglichkeiten diskutierten, wie man ein Mädchenhaus bekommen könne, aber ich war mir nicht sicher, dass sie einen Platz finden würden.

Deine zukünftige Arbeit wird im Mädchenhaus, im Margareta Haus sein. Du wirst dort leben und dort schlafen, kurz: Mit den Mädchen zusammen leben. Welche Ziele möchtest du bei den Mädchen erreichen?
Das wichtigste Ziel, das ich mit den Mädchen erreichen möchte, ist Bildung.
Darüberhinaus möchte ich Ihnen moralische Werte, religiöse Werte und sozialen Umgang näherbringen. Die Werte werden sich an den christlichen Werten orientieren.

Herzlichen Dank für das Gespräch!


Wir möchten hiermit Ihnen, liebe Spender und Wohltäter, auch im Namen der Streetworker und vor allem unserer Kinder des First Contact Place und der Mädchen des Mama Magareta Haus vielmals für Ihre Unterstützung danken.
Bereits in den ersten Wochen erlebten wir die vielen Möglichkeiten, die das „Aktion Lichtblicke“-Projekt im siebten Jahr seine Bestehens den vielen Kindern und Jugendlichen auf der Strasse bietet - sie sind überwältigend.
Wir hoffen, dass wir Ihnen durch diesen Bericht ein besseres Bild von der Arbeit hier in Ghana vermitteln konnten.
Möge Gott Sie auf Ihrem weiteren Weg behüten!


Die Volontäre
Samuel Benjamin Dominik Erich