PROJEKTBERICHT OKTOBER 2006


Gott, der Samen gibt für die Aussaat und Brot zur Nahrung, wird euch das Saatgut geben und die Saat aufgehen lassen; er wird die Früchte eurer Gerechtigkeit wachsen lassen.
Korinther 9, Vers 10


Liebe Wohltäter und Unterstützer der Aktion Lichtblicke in Ashaiman (Ghana),
im Namen des ganzen Teams und der Kinder grüssen wir Sie recht herzlich und danken Ihnen zuallererst für die vielen bisher geleisteten Spenden, die uns Tag für Tag helfen und die nicht zu entbehrende Grundlage für unsere gemeinsame Arbeit bilden.
Wir freuen uns, Ihnen hiermit einen aktuellen Einblick in die verschiedenen Bereiche unserer Tätigkeit geben zu können. Zunächst wollen wir uns jedoch kurz noch einmal vorstellen.

Wie schon unsere Vorgängergenerationen so sind auch wir als Vierergespann nach Ghana aufgebrochen, bestehend aus einer Volontärin und drei Volontären. Unsere Namen sind Nina, Johannes, Andreas und Karl.

Nina, 20 Jahre alt, kommt aus Eckernförde in Schleswig- Holstein, wo sie bis Juni dieses Jahres die freie Waldorfschule besucht hat. Sie absolviert hier ein freiwilliges soziales Jahr.
Bei der Arbeit mit den Kindern von Ashaiman kommt ihr sehr zugute, dass sie bereits vorher bei den Pfadfindern Erfahrungen im Umgang mit Kindern gesammelt hat. Des Weiteren ist sie musisch sehr interessiert. Zu ihren Tätigkeiten in diesem Bereich gehören unter anderem Geigespielen, Singen und Zeichnen.
Johannes, erst vor einem guten Monat 20 Jahre alt geworden ist der einzige „Zivi“ in unserer Gruppe. Genau wie Nina kommt er aus dem hohen Norden der Republik. Er ist Überzeugungsvegetarier, begeistertes Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr und nicht zuletzt sehr politisch, um nur einige Eckpunkte seiner selbst zu umreißen. Für ihn bietet sich hier die Chance, Gutes zu tun und den Menschen vor Ort mehr zu sein als Funktionär, Geschäftspartner und Tourist im fernen „Afrika“.

Andreas ist 22 Jahre alt und kommt aus Übach-Palenberg im Kreis Heinsberg bei Aachen. Nach der Schule hat er eine Ausbildung zum Tischlergesellen absolviert. Nach einem weiteren Jahr Fachabitur und dem Zivildienst stand für ihn dann fest, ins Ausland zu gehen, um gemeinsam mit anderen neue Erfahrungen in einer fremden Sprache und Kultur zu machen. Seine Hobbys sind Arbeiten mit Holz, Gitarrespielen und Fotografieren.

Karl hat sich als Senior-Volontär (26 Jahre) für ein Jahr von seinem Geschichts- und Geographiestudium an der Humboldt-Universität zu Berlin beurlauben lassen. Als Zivildienstleistender arbeitete er schon für dreizehn Monate in einer Berliner Förderwerkstatt für Menschen mit schwerer geistiger Behinderung. Der Volontärseinsatz in Ghana ist für ihn vor allem eine sinnvolle, weil tatkräftige Alternative zum bloßen Erkennen und Analysieren von aktuellen Problemen in der Welt. Statt in der High-Tech-Bibliothek in Berlin-Adlershof auf Hochglanz über die Schattenseiten der Globalisierung zu lesen, freut er sich nun, hier nicht nur akademische, sondern auch menschliche Werte vermitteln zu können.


Allgemeine Situation des Projekts

Nachdem wir nun seit Mitte August auf ghanaischem Boden stehen und gehen und unsere Drahtesel seit einigen Wochen den Weg in Richtung FCP schon von selbst finden, können wir zumindest in Ansätzen berichten, was im Projekt gerade auf der Tagesordnung steht.
Sowohl Bonney, Evans und Theresa als auch Alexander von der Vorgängergeneration haben uns erfolgreich in die Strukturen des Projekts eingeführt und uns gleichzeitig auf die aktuellen Probleme aufmerksam gemacht, an deren Lösung wir uns seitdem beteiligen konnten.

Bericht aus dem Mama Margarets Home (Nina)

Es ist schwer, über die Entwicklung und das Neue im Girlshouse zu berichten, wenn für einen selbst im Moment noch alles ziemlich neu ist. Doch nicht nur für mich, sondern auch für die Mädchen ist eine neue Situation entstanden, die das Leben im Girlshouse etwas verändert. Zwei der älteren Mädchen, die in den vergangenen Jahren selbständig einige der Aufgaben im Girlshouse übernommen hatten, sind ausgezogen. Mary Dorwu und Vincentia Tsioanyo haben ihre Junior Secondary School in Ashaiman erfolgreich abgeschlossen und gehen nun mit Unterstützung des Projekts auf Internate in der im Osten des Landes gelegenen Volta Region. Hier werden sie in drei Jahren mit Gottes Hilfe ihr Senior Secondary School Certificate (SSS) in den Händen halten, ein Abschlusszeugnis das dem deutschen Abitur entspricht und sie somit zum Studium an einer Hochschule qualifiziert.
Zu den Smallgirls hingegen ist eines dazugekommen. Nach Karimahtu, die seit letztem Jahr im Girlshouse wohnt, ist Mercy nun die aktuelle Newcomerin. Allerdings hatte sie schon seit längerer Zeit im Rahmen der Morning Classes im FCP Gelegenheit, das Projekt und die dazugehörigen Personen kennen zu lernen, so dass ihr der Einstieg einigermaßen leicht gefallen ist. Insgesamt leben momentan also vier ältere und acht jüngere Mädchen im Mama Margaret Home zusammen. Eine gute Möglichkeit, den Mädchen Schritt für Schritt die Verantwortung für ihr eigenes Leben zu vermitteln, besteht darin, in ihnen ein Bewusstsein für ihr Zuhause zu entwickeln. Dazu gehört es, ihnen zu veranschaulichen, dass sie sich mit der Übernahme von Arbeiten im und am Haus selber einen Gefallen tun. Darüber hinaus versuchen wir, die Mädchen in verschiedenen Punkten, die das Leben im Girlshouse betreffen mit einzubeziehen und ihnen somit die Chance zu geben, ihre „eigenen“ Ziele umzusetzen. So arbeiten wir seit dieser Woche beispielsweise an der Gestaltung des Gartens, in dem die Mädchen unter anderem Tomaten anbauen wollen, deren Pflege dann in ihren Händen liegen wird.

Bericht über Instandhaltungen und Reparaturen (Andreas)

Wie man weiß, fallen Späne wo gehobelt wird. Nicht nur bei der Arbeit mit Holz. Wo Kinder, Jugendliche und Erwachsene spielen oder arbeiten, und Gegenständen einem häufigen Gebrauch ausgesetzt sind, oder der Zahn der Zeit nagt, bleibt es nicht aus, dass Reparaturen und Instandsetzungen nötig werden, die Funktion und Sicherheit wieder gewährleisten.
Direkt zu Beginn habe ich mich um die Tür im Volo-Haus gekümmert, danach stand die Reparatur der Betten im FCP an. Parallel dazu wurden altersschwache Matratzen mit neuen Federkernen und Schaumstoff erneuert. Nicht zuletzt in Verbindung mit den erzieherischen Maßnahmen im Alltag haben wir damit die Voraussetzungen für gute Hygienestandards sichtbar verbessert.
Auch mit der Unterstützung der Jungs konnten wir alle unvollständigen Lattenroste reparieren und einige neu anfertigen, so dass die „neuen“ Betten vor Ende der Schulferien wieder für alle zur Verfügung standen. Mit dem restlichen Holz konnten einige wacklige Schultische repariert werden. Zeitig zum Schulbeginn haben wir der alten Tafel wieder Beine und einen festen Platz im Untericht geben können.

Bericht über Hygiene und Gesundheit (Johannes)

Im September trat gehäuft ein ansteckender, stark juckender Hautausschlag unter unseren Schützlingen auf. Insgesamt waren 26 Fälle unterschiedlicher Schwere im FCP, sowie ein Verdachtsfall im Mädchenhaus zu vermelden, die in der unsere Kinder kostenfrei behandelnden Darbem-Klinik vorgestellt wurden. Da uns allen klar war, dass wir hier zwar eine Bekämpfung der Symptome, nicht aber der eigentlichen Ursache erwarten konnten, achten wir seitdem verstärkt auf die persönliche Hygiene der Kinder. Dazu gehört natürlich das Vermitteln und Einüben grundlegender Tätigkeiten, deren Beherrschung bei unseren Jungen und Mädchen, die auf der Straße jenseits aller Hygienestandards groß geworden sind, natürlich nicht vorausgesetzt werden kann.
Vor allem die jüngeren Boys im FCP versuchen wir deshalb über die Wichtigkeit des Gebrauchs von Seife und Schwamm, die Vorteile sauberer Fingernägel und die Bedeutung des regelmäßigen Waschens ihrer Kleidung aufzuklären. Und tatsächlich zeigen sich nach knapp einem Monat verschärfter Kontrollen und wiederholter Erklärungen bereits erste Erfolge. Die Sauberkeit hat sichtbar zugenommen. So können wir jetzt hoffen, dass einem erneuten Ausbruch von Krankheiten dieses Ausmaßes vorgebeugt werden kann. Daneben gab es natürlich auch die kleinen und mittleren Notfälle, die einfach dazugehören, wenn man mit Kindern arbeitet: Zahnschmerzen, Malaria, ein entzündetes Auge und vor allem jede Menge Schürf- und Schnittwunden. Hier ein großes Dankeschön für die unzähligen, jetzt frisch sortierten Verbandsmaterialien und das Desinfektionsmittel! In einer feucht-warmen und vor allem schmutzigen Umgebung lernt man schnell regelmäßiges Wechseln der feuchten Verbandsmaterialien zu schätzen! Dadurch und durch gutes trocknen lassen an der Luft, konnten schwereren Infektionen bisher gut vorgebeugt werden.
Abschließend lässt sich sagen, dass die Erziehung zu grundlegender Hygiene sicherlich einen wichtigen Bestandteil unserer Arbeit bildet. Darüber hinaus sind die Kinder und wir sehr glücklich, dass Sie ihnen eine medizinische Betreuung ermöglichen, die definitiv für alle von ihnen unerschwinglich wäre und ihnen somit einmal mehr eine starke helfende Hand auf dem Weg in ihre Zukunft reichen!

Bericht über Schüler und Schülerinnen (Karl)

Nachdem das neue Schuljahr in Ghana nun offiziell für alle Altersklassen begonnen hat, ist es vielleicht angebracht, in ein paar Worten die derzeitige Situation der Schüler und Schülerinnen des Projekts zu beschreiben.
Zuallererst können wir stolz verkünden, dass wir vier weiteren Kindern den Schulbesuch ermöglichen konnten. Dabei handelt es sich um Emmanuel Ofori-Attah, Paul Adu und Senyo Gedzah aus dem FCP und Karimahtu aus dem Girlshouse. Allesamt gehen sie nun auf die Clementina Primary School, eine öffentliche Schule, die einen guten Ruf genießt. Die Verabschiedung der Vier aus den bis dahin von ihnen besuchten Morning Classes im FCP war ein großer Tag für uns alle.
Eine weitere Gruppe von „Schulanfängern“ haben wir bei den älteren Jungen und Mädchen, von denen dieses Jahr sechs ihr erstes Jahr an der Senior Secondary School beginnen. Alle sechs wurden dazu per staatliches Losverfahren in verschiedene Regionen des Landes beordert, wo sie nun für drei Jahre in einem Internat auf ihre Hochschulreife hinarbeiten. Insgesamt haben wir damit sechzehn Schüler in der Oberstufe, sechs im ersten, drei im zweiten und sieben im letzten Jahr.
Betrachtet man die im Vergleich zur Primary School und zur Junior Secondary School sehr hohen Kosten pro Schüler, wird natürlich klar, dass es sich hierbei um ein ganz besonderes Privileg handelt.
Bei einer Anzahl von vierundfünfzig Schülern und drei Studenten stoßen wir damit spürbar an die Grenzen unseres Budgets, nichtsdestotrotz steht für uns fest, dass wir allen Kindern in unserer Obhut die für sie so wichtige Bildung zugänglich machen wollen. Das soll natürlich auch für diejenigen gelten, die in den Morning Classes im FCP gerade auf ihre Schullaufbahn vorbereitet werden. Im Unterricht mit dieser neuen Generation gehen wir gerade viele kleine Schritte und freuen uns über jeden Erfolg. Beispielsweise begreift ein Junge an einem Tag von selbst die Subtraktion mit Zahlen von eins bis zehn und das, nachdem man schon fast aufgegeben hätte mit der Annahme, ihn doch überfordert zu haben. Oder für uns etwas ganz banales, wenn ein Junge auf einmal regelmäßig die volle Unterrichtszeit über konzentriert mitarbeitet, obwohl er anfänglich schon nach einer Stunde angefangen hatte, nach der Pause zu fragen. Diese manchmal langsam erscheinenden, aber im Grunde doch erstaunlichen Entwicklungen wollen wir natürlich nach Kräften fördern und unterstützen. Um diese Leitidee auch im laufenden Schuljahr umsetzen zu können, sind wir jedoch dringend auf Ihre Hilfe angewiesen, da zurzeit nicht nur die allgemeinen Lebenshaltungskosten, sondern ganz konkret auch die Kosten für Bildung merklich steigen.

Am Ende ist es uns noch einmal wichtig zu betonen, dass uns die Arbeit und das ganze Zusammenleben mit den Jungen und Mädchen momentan viel Spaß macht. Dass wir an einigen Abenden unter der Dusche einzuschlafen drohen, gehört unserer Ansicht nach dazu, und ist angesichts der von uns wahrzunehmenden Aufgaben und der auf uns einströmenden Eindrücke wohl auch verständlich. Und spätestens am nächsten Morgen kann sich jeder Einzelne von uns dann auch wieder an die Momente des letzten Tages erinnern, in denen die Kinder uns manchmal durch ganz kleine Gesten zum Lachen bringen und uns zeigen, dass sie sich freuen, dass wir da sind und ein Stück des Weges mit ihnen gemeinsam gehen können.
Dass Sie als Wohltäter und Unterstützer des Projekts ebenfalls zu den Weggefährten dieser Kinder zählen, ist uns Grund, Ihnen abschließend für Ihr bisheriges und zukünftiges Engagement zu danken.
Gott behüte Sie und schütze Sie auf all Ihren Wegen.

Nina Johannes Andreas Karl