1. Erlebnisbericht 2004/ 2005


Die Volontäre 2004/ 2005

Mein Name ist Johanne Schulze und ich wurde am 29.05.1985 in Frankfurt an der Oder geboren. Ich habe in diesem Sommer mein Abitur am Friedrichsgymnasium Frankfurt/Oder bestanden. In der Grundschule fing ich an Trompete zu spielen und habe dies auch bis heute weitergeführt. Durch meine Tätigkeit als Betreuer bei Kinder- und Jugendrüsten und in der Jugendfeuerwehr habe ich bereits Erfahrungen im erzieherisch betreuerischem Feld gesammelt. Ich hoffe, dass es mir mit meinen Musikkenntnissen und meiner Trompete, die ich mit hier in Ghana hab gelingt, die Arbeit der Volontäre vor uns weiter zu führen und eventuell auszubauen.

Mein Name ist Uta Kordes, ich bin 24 Jahre alt und wurde am 20. Dezember 1979 in Olpe geboren. Seit vier Jahren studiere ich jetzt in Paderborn. Mein Studium Religionspaedagogik habe ich dieses Jahr im Januar mit dem Diplom abgeschlossen, worauf ich begonnen habe aufbauend Soziale Arbeit zu studieren. Schon lange war es mein Wunsch fuer einen laengeren Zeitraum nach Afrika zu gehen und im Rahmen des Studiums habe ich nun fuer ein halbes Jahr die Moeglichkeit, meinen Traum zu verwirklichen.
Da ich von allen Volontaersgenerationen nun die erste Volontaerin bin, liegt ein voellig neues Aufgabenfeld vor mir. Fuer meine Zeit hier in Ghana werde ich zusammen mit Sister Teresa und den Maedchen in dem im letzten Jahr eingeweihten Maedchenhaus leben. Ich habe aus Deutschland einige Floeten und eine Gitarre mitgebracht, so dass ich wohl im musikalischen Bereich einiges mit den Maedchen machen und Teresa in ihrer Arbeit mit den Maedchen unterstuetzend zur Seite stehen kann. Durch diese halbe Jahr in Ghana hoffe ich auch im Hinblick auf meine Zukunftsperspektiven ein wenig bestaerkt zu werden, um moeglicherweise in der Entwicklungsarbeit taetig zu werden.

Ich heisse Benedikt Schmitz, werde am 15. Oktober diesen Jahres 20 Jahre alt und komme aus Bedburg. Im Sommer 2004 habe ich meine Fachhochschulreife an der Fachoberschule fuer Gesundheit und Sozialwesen in Grevenbroich erworben. Als ich vier Jahre alt war, besuchte ich mit meiner Familie zum ersten Mal Ghana, was zur Folge hatte, dass ich seit jeher den Traum hegte, irgendwann einmal zurueckzukommen – und da bin ich nun. Ich freue mich sehr darauf die Chance wahrzunehmen und den Kindern im Projekt eine schoene und erlebnisreiche Zeit zu verschaffen. Da meine groesste Leidenschaft der Fussball ist, werde ich mich unter anderem auf die Betreuung der Jugendmanschaften des Projektes konzentrieren. Nach meiner Zeit in Ghana werde ich ein Studium der Sozialarbeit absolvieren, wobei ich hoffe, dass mir meine Erfahrungen, die ich in Ghana hoffentlich sammeln werde, weiterhelfen werden.
Ich heisse Uli Lingenberg und wurde am 18.08.1983 in Düsseldorf geboren. Ich bin in Dueren zum Burgau Gymnasium gegangen und habe dort meinen Abschluss gemacht und fange naechstes Jahr meine Lehre als Hotelfachmann in Heimbach in der Eifel an. Durch die Arbeit als Messdiener und Messdienerleiter in der Pfarre St. Michael Dueren-Lendersdorf und St. Nikolaus Roelsdorf bin ich mit Kinder- und Jugendarbeit bereits vertaut und moechte auch dies hier in Ghana tun. Ich freue mich auf die vor mir liegende Aufgabe und bin ueberzeugt, dass wir vier Volontaere sie meistern werden.


Die ersten Tage/ die ersten Eindrücke/ die ersten Probleme

In den folgenden Wochen erhielten wir im Don Bosco Trainingcenter einen sogenannten Culture Course, um etwas Twi, sowie theoretisch etwas ueber die ghanaischen Familienstrukturen zu lernen. Dieser dauerte 2 Wochen und half uns sehr, uns gesellschaftlich zu orientieren. Nach diesen zwei Wochen fing dann auch unsere Arbeit im F.C.P. an, zuerst uebernachteten wir abwechselnd dort, schauten uns das Tagesritual der Kinder an, morgens um 4.00 Uhr aufstehen, duschen, fegen, Fruehstueck machen. Dann folgt das Morgengebet mit allen Kindern und nach dem Fruehstueck machen sich dann diejenigen Jungen auf den Weg, die zur Schule gehen. Die Verbliebenen im Haus machen sich fertig um dort von den Volontären und Local Workern unterrichtet zu werden. Dieser Unterricht beginnt um 8.00 Uhr und endet um 12.30 Uhr. Es kommen auch Kinder aus der Umgebung zu uns in den hauseigenen Unterricht, die dann zusammen mit unseren Kids geschult werden. Auf dem Lehrplan stehen Englisch, Mathematik und Naturwissenschaften. Dies geschiet, da es sich um eine ueberschaubare Anzahl an Kindern handelt, ziemlich individuell und es kann auch besser auf einzelneKinder eingegangen werden. Dies ist auch nach Unterrichtsschluss moeglich, da ja diejenigen Kinder die im Haus bleiben mit Einzelfoerderung auch Nachmittags oder Abends beschaeftigt werden koennen. Um 15.00 Uhr kommen dann auch die Kinder aus den Schulen zurueck. Dann ist es Zeit fuer das Mittagessen, denn danach geht es zum Fussball, in die Schreinerei oder Schneiderei. Abends wird sich dann um die Hausaufgaben gekuemmert, oder gelernt. Da einige der Big Boys nun im letzten Jahr der Junior Secondary School sind, sind diese fleissig mit dem Studium beschaeftigt um gute Abschlussnoten zu erhalten und auf eine gute weiterfuehrende Schule gehen zu koennen. Somit kommen wir auch zu den ersten Problemen, denn das erste Drittel des Schuljahres hat angefangen und einige unserer Kinder aus dem F.C.P. wechseln von der Junior Secondary School auf eine Senior Secondary School. Und einige davon sind nicht in unmittelbarer Umgebung. Im Vorfeld bedeutet das, die Kinder fuer die weiterfuehrende Schule auch materiell auszuruesten. Die Ausbildung an einer S.S.S. betraegt 3 Jahre und die Kinder bleiben dort fuer diese Zeit und wohnen auch da. Deshalb ziehen sie praktisch auch fuer diese Zeit weg und sind somit „aus dem Haus“, loesen sich auch vom Projekt und lernen auf eigenen Beinen zu stehen. Die Starthilfe unsererseits ist jetzt nur noch finanziell, also das bezahlen der Schulgebuehren, aber sonst beginnt ab da der Ernst des Lebens. Es ist auch schoen zu sehen, dass es diese Jungen geschafft haben, dem Kreis der Armut zu entkommen, den mit einem S.S.S. Abschluss koennen sie diesem Kreislauf enrkommen.

Das Projekt: F.C.P. und Mama Magareta House

Das First Contact Place besteht nun seit 4 ½ Jahren, das Projekt seit 8 Generationen. Es ist wie eins der Strassenkinder gewachsen, hat gelernt, ist ab und zu mal hingefallen und wieder aufgestanden und ist nun aus unserer Sicht erwachsen. Aus dem frueheren Projekt Strassenkinder in einer Barake zu unterrichten ist nun ein Stueck realer Hoffnung fuer die Kinder geworden, dem Teufelskreis Armut zu entkommen. Das „Peace Home“ – „Friedens Haus“ ist zu einer respektablen Groesse in Ashaiman geworden und ich spreche wohl fuer alle Volontäre, wenn ich sage, dass man Pater Lienhard, Pater Heisterkamp und den Vorgaengergenerationen der Volontäre fuer Ihre Arbeit hier Lob aussprechen muss. Ebenso bedanken wir uns sehr bei Ihnen, liebe Wohltaeter, fuer Ihren Einsatz, Ihre Spenden, die es diesen Kindern ermoeglichen eine Zukunft zu haben. Momentan uebernachten 35 Jungen im F.C.P. und 9 Maedchen im Mama Margareta Haus. Das Projekt betreut weit ueber 100 Kinder, das bedeutet der Unterricht im First Contact Place, Fussball, Schneiderei und Schreinerei sowie sonstige Aktionen die durch die Volontäre und Local Workers organisiert werden. Wir Volontäre sind froh mit der Arbeit begonnen zu haben und freuen uns auf die bevorstehenden Aufgaben.

Mama Margareta Haus

Nun werde ich mich als erste Volontaerin auch mal zu Wort melden um Ihnen einiges aus dem im letzten Jahr eingeweihten Maedchenhaus zu berichten. Zunaechst habe ich den ersten Monat zusammen mit den anderen Volontaeren im Volontaershaus gewohnt, was fuer die erste Zeit gut war, um erstmal in die Kultur hineinzu wachsen. In dieser Zeit habe ich abends und spaetnachmittag oefter im Mama Margareta Haus vorbeigeschaut, um mich mit den Maedchen und Teresa, der ghanaischen Mitarbeiterin, vertraut zu machen. Als ich das erste Mal da war, waren die Maedchen erst sehr zurueckhaltend, was sich aber, seitdem ich nun seit drei Wochen auch in dem Haus lebe, immer mehr gelegt hat. Am 24.10.2004 ist mein Zimmer von Pater Bernd gesegnet worden und im Moment merke ich immer mehr, wie wichtig es ist, dass ich mit den Maedchen zusammen lebe, um sie ueberhaupt richtig kennenlernen zu koennen. Zur Zeit wohnen neun Maedchen im Mama Margareta Haus im Alter von zehn bis 22 Jahren. Charity ist 10 Jahre alt und damit die Juengste. Danach kommt Acose mit 15 Jahren, worauf Vero und Rejoyce mit 18 und Mary mit 19 Jahren folgen. Linda ist mit 22 Jahren die Aelteste. Rejoyce ist die Einzige der Maedchen, die schon eine Ausbildung macht. Sie moechte Schneiderin werden und befindet sich im Moment im letzten Lehrjahr. Alle anderen Maedchen gehen zur Schule. Ein typischer Wochentag im Mama Margareta Haus beginnt morgens um 5.30 Uhr mit dem Morgengebet, das von den Maedchen selbst durchgefuehrt wird. Da das eine sehr fruehe Zeit ist, faellt es nicht immer allen Maedchen leicht, puenktlich zum Morgengebet zu erscheinen. Auch ich habe meine Zeit gebraucht um mich an den Tagesrythmus zu gewoehnen. Nach dem Gebet gehen die Maedchen um 6 Uhr duschen, um dann zu fruehstuecken. Von unserem Schreiner hier im Projekt sind die Duschen und Toiletten der Maedchen mit ganz neuen Tueren versehen worden. Auch in der Kueche koennen sich die Maedchen an einen schoenen neuen Tisch setzen, um gemeinsam zu essen. Nach dem Fruehstueck machen sich die Maedchen auf den Weg zur Schule. Nachmittags ab 15 Uhr trudeln dann die ersten Maedchen wieder im Haus ein und sind dann meistens erst einmal muede. Wenn sie sich ausgeruht haben, geht es darum das Essen vorzubereiten, eventuell noch einiges auf dem Markt einzukaufen oder auch um das Haus herum sauber zu machen. Mittwochs, Freitags und Samstags duerfen die Maedchen waschen. Abends nach dem Essen wird geduscht und anschliessend ist dann im Klassenraum des Mama Margareta Hauses noch Lernen angesagt. Hierbei stehen Teresa und ich den Maedchen zur Seite. Um 21.30 Uhr gehen die Maedchen schlafen. Teresa und ich haben fuer die naechste Zeit, in der ich hier bin, ein Programm fuer das Maedchenhaus aufgestellt, in dem es um lebenspraktische Dinge gehen soll, die den Maedchen fuer die Zukunft wichtig sein koennen. Einige Ausfluege sind auch geplant. Von Deutschland habe ich einige Blockfloeten und eine Gitarre mitgebracht, so dass ich auch im musikalischen Bereich einiges mit den Maedchen machen kann.

Die Mädchen und Jungen des Projekts

Nach nun 2 Monaten hier in Ashaiman haben wir einen guten Einblick in das Projekt erhalten und sind auch schon voll integriert. Die meisten Kinder kennen wir mit Namen, wissen auch schon wo ihre Probleme liegen oder wie ihr Hintergrund ist. Ausserhalb der Classes spielen so gut wie alle Jungen Fussball. Die Mannschaften werden vom Big Boy Jonathan und unserem Volontär Benedikt trainiert. Die Schreinerei ist gut mit Auftraegen bedient, auch zum Beispiel fuer das Maedchenhaus. Momentan baut Felix Ofori, der Schreiner, seine eigene Schreinerei auf, was das Unterrichten von unseren Kinder nicht immer regelmaessig ermoeglicht, dies sollte ab dem Neuen Jahr allerdings kein Problem mehr sein. Das gleiche gilt fuer Paul, der nun seinen eigenen Shop in Ashaiman hat. Dieser ist bald fertig ausgeruestet und er kann dann bis zu 9 Kinder von uns unterrichten.
Maedchen und Jungen aus dem Projekt engagieren sich im Cultural Dance und zeigten ihr Koennen waehrend unserer Einfuehrungsmesse. Der Chor ist ebenso fleissig am proben. Beides unter der Leitung von Evans, der sich sehr um Kultur und Chor kuemmert, auch weil er selber in St. Augustin im Kirchenchor singt. Wie sie lesen und sehen koennen liebe Wohltaeter sind wir 4 Neuen schon ganz dabei. Nach 2 Monaten haben wir uns auch eingelebt und freuen uns auf das was noch kommt und muessen auch manchmal erkennen, dass die Zeit ganz schoen schnell vorbei geht.

Bericht von Christian Ungruhe als alter und als neuer Volontär

Als ich vor sechs Jahren als Volontaer nach Ashaiman ging, bestand das Projekt nicht viel mehr als aus einem kleinen Bretterverschlag, in dem ca. 30 Kinder unterrichtet wurden. Durch Berichte und Bilder nachfolgender Volontaers-generationen war mir die Entwicklung der Aktion-Lichtblicke natuerlich bewusst, dennoch war es ein ueberwaeltigendes Gefuehl als ich in diesem Jahr den Uebergang zwischen zwei Volontaersgenerationen regelte und zum ersten Mal im First Contact Place stand und das vor einigen Jahren so lang ersehnte Zuhause fuer unsere Kids mit eigenen Augen zu sehen bekam. Dass wir inzwischen auch Strassenmaedchen erreichen ist ein weiterer Meilenstein im Projekt. Auf der Strasse lebende Maedchen sind im Besonderen vielen Gefahren schutzlos ausgeliefert. Viele von ihnen geraten in einen Teufelskreislauf aus Prostitution, Drogen und Kriminalitaet aus dem sie allein nicht ausbrechen koennen. Das Maedchenhaus bietet nun den Schutz, den sie brauchen und das Zuhause, nach dem sie sich sehnen. Das alles war vor sechs Jahren noch in seinen kleinsten Anfaengen bzw. ein grosser Traum, weit entfernt davon einmal realisiert zu werden. Heute erreichen wir mit beiden Hauesern ueber 100 Kinder, denen so ein Zuhause gegeben werden konnte. Es sind aber nicht nur die beiden Haeuser fuer die Maedchen und Jungen, die in der Zwischenzeit entstanden sind und den Kindern endlich ein Zuhause bieten koennen. Es sind die positiven Entwicklungen vieler Kinder die das Projekt tragen. Kinder, die waehrend unserer Zeit eingeschult wurden, sind heute die grossen Jungs im Strassenkinderhaus und zu Vorbildern fuer die Kleinen geworden. Es ist eine wunderbare Erfahrung bewusst zu erleben, dass das Projekt Fruechte traegt. Vor allem bewundere ich unsere drei Mitarbeiter Bonney, Evans und Theresa, die ihr Leben den Strassenkindern widmen und sich unermuedlich fuer sie einsetzen. Nicht immer ist der Einsatz von Erfolg gekroent – ich habe in den drei Monaten meines Aufenthaltes auch einige Kinder auf der Strasse lebend wieder getroffen, die vor sechs Jahren noch unseren Unterricht besuchten und auf eine Schullaufbahn vorbereitet werden sollten. Solche Erfahrungen sind schmerzhaft, aber leider Teil der Arbeit. Es sind aber die vielen kleinen „Lichtblicke“, die uns nicht aufgeben lassen, sondern uns in unserer Arbeit antreiben. Die Probleme in Ashaiman sind in den letzten Jahren gewiss nicht kleiner geworden. Der Slum waechst jeden Tag und immer mehr Kinder wachsen in aermsten Verhaeltnissen oder ganz auf der Strasse auf. Es ist klar, wir koennen weder die ganze Welt noch jedes Strassenkind in Ashaiman retten, aber unser Projekt leistet fuer viele Kinder einen grossen Beitrag. In Namen der Kinder, vielen Dank fuer Ihre Treue, Geduld und Ihre grossartige Unterstuetzung!
Christian Ungruhe (Volontaer 1998/ 99)
Johannes Schulze

Schlusswort, die nächsten Wochen

Liebe Wohltaeter,
Wir die Volontäre 2004/2005 moechten uns bei Ihnen herzlich fuer Ihr Engagement und Ihre Spenden bedanken. Auch wir sind immer wieder erstaunt wie sich das Projekt im Laufe der Jahre veraendert hat und wie es gewachsen ist. Das war und ist durch Ihre Hilfe ermoeglicht worden. Zum Abschluss unseres ersten Erlebnissberichtes schicken wir Gruesse aus Ghana und freuen uns schon Ihnen im naechsten Bericht ueber die Weihnachtliche Zeit hier in Ghana berichten zu duerfen. Bis dahin...
Die Volontäre 2004/2005
Benedikt, Uta, Johannes und Uli