Ein Tag im Projekt in Ghana – Eindrücke eines deutschen Freiwilligen


Text?

Um halb sieben klingelt nicht der Wecker, sondern der Hahn vom Nachbarn kräht und weckt uns eine halbe Stunde bevor wir aufstehen müssen. Nach einer kalten Dusche und einem gemeinsamen Frühstück mit frischem Brot aus der Bäckerei von nebenan geht es mit dem Fahrrad los zur Arbeit ins Center. Der Verkehr ist sehr chaotisch und wir versuchen, uns gegen Taxis, Kleinbusse, LKWs und Motorräder zu behaupten und dabei nicht durch ein Schlagloch vom Sattel gerissen zu werden. Während der Harmattan Zeit ist es besonders staubig, trocken und windig. Das erschwert die Fahrt zusätzlich.
Text? Im Center angekommen begrüßen uns als erstes unsere kleinsten Jungs freudig und wollen auf den Arm genommen werden. Dieses Jahr hat unser Streetworker zu einigen Jungs von der Straße Kontakt aufgebaut. Dies kostet viel Zeit und Geduld. Sie werden am Vormittag von Ghanaern mit uns als Unterstützung im Center unterrichtet. So werden die Grundlagen für den Besuch einer öffentlichen Schule geschaffen.
Text? Um 8.00 Uhr beginnen wir die Morgenandacht vor dem Unterricht mit Trommeln, Klatschen und Lobgesang in Twi und Englisch. Nach einem gemeinsamen Gebet wird aus der Bibel vorgelesen.
Der Unterricht ist herausfordernd, da die Jungs teilweise traumatisiert sind und ein raues Leben auf der Straße gewohnt sind. Die Ghanaer sind aber schon durch jahrelange Erfahrung geschult und so erzielen wir gemeinsam Fortschritte. Viele von den Jungs konnten am Anfang nicht mal ihren Namen schreiben. Nach den ersten drei Monaten haben wir ihnen schon das Alphabet, die Zahlen von 1 bis 100, Addition und Subtraktion beigebracht. Die Jungs lernen sehr schnell und sind motiviert, im nächsten Jahr die öffentliche Schule zu besuchen. Das gibt wiederum uns Kraft, uns weiter mit vollem Einsatz zu engagieren. Im Center wohnen noch weitere Jungs. Sie sind alle schon älter und gehen bereits zur Schule.
Um 12.00 Uhr ist der Unterricht vorbei. Nach einem gemeinsamen Vaterunser wird zusammen gegessen. Wir haben jetzt Mittagspause und fahren für ein paar Stunden zurück ins Volontärs-Haus. Durch die Mittagssonne verschwitzt dort angekommen genießen wir abwechselnd einheimisches und europäisches Essen. Die Mittagspause nutzen wir, um Berichte für unseren Blog im Internet zu schreiben oder um uns auszuruhen. Die alltäglichen Aufgaben im Haus und die Herausforderungen zu zweit in der Wohngemeinschaft meistern wir zusammen. Um 16.30Uhr geht es wieder zum Center. Dort warten schon unsere Jüngsten, um mit uns Fußball zu spielen oder die älteren Jungs mit Fragen zur Unterstützung bei ihren Hausaufgaben. Wir versuchen allem gerecht zu werden und gleichzeitig darauf zu achten, dass um halb sieben alle geduscht und fertig fürs Essen sind. Einen Mittelweg zu finden zwischen gutem Freund und einer zu respektierenden Person, ist nicht immer einfach.
Text? Das Essen bereitet immer abwechselnd einer der älteren Jungs zu. Dadurch lernen sie selbständig auf dem Markt einzukaufen und dann das Essen zuzubereiten.
Nach dem Abendessen lernen die älteren Jungs und wir wiederholen mit den Jüngsten das Gelernte vom Morgen.
Ab 19.30 findet dann der Computer-Unterricht statt. Unser Computerraum mit 5 Computern war eine Spende und wir nutzen ihn, um Grundwissen in EDV und später den richtigen Umgang mit dem Internet zu vermitteln. Dies gelingt auch fast immer, wenn nicht mal wieder der Strom ausgefallen ist.
Um 9 Uhr neigt sich der Tag dem Ende und wir schließen ab mit einer Abendandacht mit ruhigem Gesang und Gebet. Da pünktlich um 6 Uhr die Sonne untergeht, fahren wir immer im Dunkeln nach Hause. Dies bereitet uns aber keine Probleme Nach diesem langen Tag fallen wir müde aber zufrieden in unser Bett und wissen einmal mehr, dass die Entscheidung für das Jahr hier in Ghana genau richtig war.