WM 2014 − Ghana gegen Deutschland


Kurz vor 17 Uhr Ortszeit am Samstag, den 21.06.2014 in Ashaiman, Ghana. Wir treffen die letzten Vorbereitungen, bevor wir uns auf den Weg machen.
Deutschland-Trikot anziehen, Deutschland-Flagge auf die Wangen pinseln und die verstaubte Flagge ausschütteln. Wir, das sind mittlerweile drei deutsche Freiwillige und unser Chef Jan, die wegen des Straßenkinderprojekts Rays of Hope nach Ashaiman, Ghana gereist sind. Zuwachs haben wir von Elisabeth bekommen, die seit Mitte Juni hier in Ghana ist.
Um den Anlass, dass gerade Deutschland und Ghana bei der Fußball-WM gegeneinander spielen, gebührend zu feiern, luden wir all unsere Schützlinge zum Public Viewing ein. Mit allen Fan-Artikeln ausgestattet, machen wir drei Deutsche uns auf den fast dreißig−minütigen Fußweg zum First Contact Place zu unseren Schützlingen. Hier fällt man als Weißer auf der Straße immer auf, aber heute schaut und spricht uns wirklich jeder an. Wir sehen viele lachende Gesichter, obwohl die Ghanaer einen großen Nationalstolz haben und Fußball mindestens genauso zelebrieren, wie wir in Deutschland. "Ghana wird Deutschland schlagen", rufen sie uns zu. Man merkt, dass vor dem Spiel am Abend die Stimmung auf der Straße noch lebhafter ist als sonst.
Dann kommen wir am First Contact Place an und der fröhliche Spießroutenlauf ist beendet. Die "Beneficiaries" (so werden die Schützlinge hier bezeichnet) begrüßen uns freudig, auch ihnen ist die Aufregung anzumerken. Schnell noch etwas zu Abend essen, dann bekommt jeder ein neues Ghana-T-Shirt, welches extra zu diesem Anlass besorgt wurde und los geht’s.
Wir fahren alle zusammen mit dem Pick−Up zum Public Viewing. Die Fahrt lässt sich gut mit einem deutschen Autokorso vergleichen. Mit Trommeln und Tröten ausgestattet, machen wir während des ganzen Wegs stark auf uns aufmerksam. Ob die Daumen für Ghana oder für Deutschland gedrückt werden – egal. Jeder freut sich auf das bevorstehende Spiel.
Der Platz für das Public Viewing ist schon gut gefüllt. Das Spiel beginnt. Bei guten Chancen der Ghanaer jubelt die Menge so sehr, dass wir zweimal auf den Spielstand schauen müssen. Man könnte fast glauben das erste Tor sei bereits gefallen. Für unsere Kleinen ist es eine ganz neue Erfahrung. „Schlafen wir heute hier?“, fragt einer von ihnen.
In der Halbzeit-Pause kommen die Trommeln wieder zum Einsatz. Jeder tanzt und singt mit. Es ist ein großes multinationales Fußball-Fest. Dann das erste Tor. Unsere Jubel-Schreie klingen etwas kläglich, denn um uns herum ist es ruhiger geworden. Egal – dafür freuen wir uns umso lauter.
Kurze Zeit später der Ausgleich. Was nun folgt, kann sich sehen lassen. Nicht nur die Lautstärke, auch der Körpereinsatz des Jubels der Ghanaer. Da fällt es schwer, sich nicht mit zu freuen. Außerdem hatten wir Deutschen uns im Vorfeld darauf geeinigt, dass wir Ghana ein Tor wünschen, nur um diesen Moment miterleben zu können.
Doch es kommt anders als in unseren Wünschen vorgesehen. Ghana trifft ein weiteres Mal und geht in Führung. Nun sind die Ghanaer außer Rand und Band. Springen auf Tische, rennen durch die Menge und lassen ihrer Freude freien Lauf. Robert, ein Beneficiary, der das ganze Spiel über noch nichts gesagt hat, hat ein breites Grinsen im Gesicht: "Wir schlagen euch!". Kurzzeitig wird uns Angst und Bang und wir fragen uns, was wir uns in den kommenden Wochen wohl anhören müssen, sollte Deutschland tatsächlich verlieren. Glücklicherweise kommt dann Klose ins Spiel und rettet den Abend. Nun ist der Jubel noch einmal auf unserer Seite.
Doch nach dem Abpfiff freuen wir uns alle gleichermaßen. Eigentlich das ideale Ergebnis für diesen wunderschönen gemeinsamen Ausflug!